Presse und Rundfunk nach Kriegsende




Eines der wichtigsten Felder der Umerziehung (Reeducation) war die Umstrukturierung der Massenmedien. In drei Schritten wurden Presse und Rundfunk zunächst verboten, durch alliierte ersetzt, um dann in neuen, pluralistischen und demokratischen Strukturen wieder eingerichtet zu werden. 

Am 24. November 1944 erließ General Eisenhower, als oberster Befehlshaber der westlichen Alliierten, ein Gesetz, das niemandem in den von den Alliierten besetzten Gebieten erlaubte, sich mit dem Einsatz von Medien jeglicher Art zu beschäftigen. Nach der Besetzung beeilten sich die Alliierten die ehemaligen Reichssender zu übernehmen und führten auf diesen Kanälen ihre eigenen Sendungen durch. Das Informationsmonopol lag in der Hand der Alliierten, die in einem dritten Schritt die Lizenzierungsphase für deutsche Medien einleiteten. Unter alliierter Zensur, die sich jedoch hauptsächlich darauf beschränkte, militante und nationalistische Töne herauszufiltern, wurde es einigen, sorgsam ausgesuchten Journalisten wieder erlaubt, sich in Zeitungen zu engagieren und in Rundfunkhäusern tätig zu werden.

 

Die ersten deutschen Zeitungen wurden von den US-Amerikanern lizenziert. 1946 existierten in der US-Amerikanischen Besatzungszone bereits 35 neue Zeitungen. In der Französischen Zone wurden von Herbst 1945 bis 1949 gerade einmal 33 zugelassen. Am spätesten begannen die Briten, Anfang 1946. Sie lizenzierten 61 Zeitungen.

 

In der US-Zone wurden Lizenzen gezielt an Personen mit unterschiedlichen politischen Standorten vergeben. Als sich 1947 der Beginn des Kalten Krieges abzeichnete, wurden allerdings die Lizenzen für KPD-Mitglieder entzogen. In der sowjetischen Besatzungszone wurden vor allem die Organe der KPD und, 1946, die der SED von der Sowjetischen Militär Administration (SMAD) bevorzugt. Am deutlichsten war die Dominanz der KPD, bzw. SED bei der Papierzuteilung. Papierknappheit war auch das größte Problem in den Westzonen. Demzufolge erschienen die Tageszeitungen in der Regel nur zweimal wöchentlich als dünne Ausgaben. Außer der Lizenzpresse gab es noch alliierte Zeitungen. Die beliebteste war „Die neue Zeitung“, die von den US-Amerikanern herausgegeben wurde. Obwohl sie bis zum Sommer 1948 eine Auflagenstärke von 1,2 Millionen Exemplaren hatte, konnte sie die Nachfrage nicht befriedigen.

 

Da der Rundfunk durch das Monopol der Nationalsozialisten nur zu Propagandazwecken diente, sollte er, nach den Vorstellungen der Westalliierten, weder komplett vom Staat abhängig, noch in den Händen privater Personen sein. Sie schufen ein öffentlich-rechtliches Radiosystem. In der Britischen Besatzungszone entstand, nach dem Vorbild der British Broadcasting Cooperation (BBC), am 1. Januar 1948 der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg und Köln. Dies war die erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Deutschlands. Die US-Militärregierung forderte, als Bedingung für die Überlassung der Rundfunkanstalten in deutsche Hände, die Schaffung von demokratischen Rundfunkgesetzen in den Ländern. Bis 1949 wurde dieses Vorgehen, vor allem von deutscher Seite aus angegriffen. Heute kann man sagen, dass dieses Vorgehen ein erfolgreicher Punkt US-Amerikanischer Demokratisierungspolitik war.

 

Im „Haus des Rundfunks“ , in der Sowjet-Zone Berlins, entstand unter der Kontrolle der sowjetischen Militärregierung der Berliner Rundfunk. Wenig später folgte im Oktober 1945 der Mitteldeutsche Rundfunk in Leipzig. Verantwortlich war, unter der Zensur der SMAD, die Abteilung für Kulturelle Aufklärung der „Zentralverwaltung für Volksbildung“. Am 12. Oktober 1949 übergab die SMAD alle Sender, die verwaltungstechnisch und ideologisch straff organisiert waren, an die Regierung der neugegründeten DDR.

 

Kai Brauchle