„Der größte Staatsmann aus South Carolina des 20. Jahrhunderts“




Byrnes – der Autodidakt

James Francis Byrnes wurde am 2. Mai 1882 als Sohn irischer Einwanderer in Charleston (South Carolina, USA) geboren. Kurz vor seiner Geburt starb sein Vater, ein einfacher Angestellter, an Tuberkolose. Im Alter von 14 Jahren verließ Byrnes die katholische Konfessionsschule, um in einer Anwaltskanzlei als Gerichtsstenograph zu arbeiten. Nachdem er sich in seiner Freizeit selbst als Jurist ausgebildet hatte, bekam er 1903 eine Zulassung bei Gericht. Nur wenige Jahre später wurde der Autodidakt Byrnes Staatsanwalt in South Carolina. Byrnes, der irisch-katholische Einwanderersohn, trat er aus der katholischen Kirche aus und  heiratete Maude Perkins Busch; die Ehe blieb kinderlos. 1911 trat er in die Demokratische Partei ein und wurde kurz darauf ins Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses gewählt, wo er als Mitglied bis 1925 die Interessen South Carolinas vertrat.

 

Nach seinem Ausscheiden aus dem Repräsentantenhaus zog er nach Spartanburg, um dort wieder als Anwalt zu arbeiten. In der von Industrie geprägten Region vertrat er die Interessen der Fabrikarbeiter. Nach einem zweiten Anlauf wurde „Jimmy“ Byrnes, wie ihn seine Freunde nannten, 1930 in den Senat gewählt. Als Senator unterstützte er die Politik Franklin D. Roosevelts in Washington, ohne jedoch sein Heimat zu vergessen: "I am going to Washington to help the President work for the people of South Carolina and the country."

 

New Deal-Politik und Kriegsjahre

James F. Byrnes war vor allem an der New Deal-Politik des Präsidenten beteiligt, auch wenn er einige Maßnahmen des Katalogs aus Wirtschafts- und Sozialreformen als zu radikal empfand. So stimmte er beispielsweise gegen das Mindestlohngesetz, dass seiner Meinung nach die Wettbewerbsfähigkeit der Textilindustrie vermindern würde. 1941 wurde er zum Richter des Supreme Court, des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, ernannt. Doch bereits nach einem Jahr trat er von dieser Aufgabe zurück, um Direktor für wirtschaftliche Stabilisierung und anschließend Leiter des Amtes für Kriegsmobilisierung zu werden. In dieser Position hatte Byrnes einen so großen Einfluss auf die amerikanische Wirtschaft, dass er scherzhaft „stellvertretender Präsident“ genannt wurde. Allzu unrealistisch war diese Bezeichnung nicht, da Roosevelt ihn tatsächlich als Vizepräsident favorisierte, doch war er den einflussreichen Gewerkschaften zu konservativ.

 

Alliierten-Konferenzen und 'Rede der Hoffnung'

Nachfolger Roosevelts wurde Harry Trumann, der Byrnes noch 1945 zum Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika ernannte. Nachdem er bereits auf der alliierten Konferenz von Jalta anwesend war, nahm er als Außenminister nun an der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 teil. Mit seiner 'Rede der Hoffnung' am 6. September 1946 in Stuttgart verwarf Byrnes endgültig den Friedensplan des amerikanischen Finanzminsters Henry Morgenthau von 1944, den so genannten Morgenthau-Plan. Dieser Plan hätte eine völlige Desindustrialisierung Deutschlands und eine vollständige Reduzierung als Agrarland bedeutet.

 

'Mann des Jahres'

Das Time Magazine kürte James F. Byrnes zum 'Mann des Jahres 1946', da er, nach Meinung der Redaktion, den größten Einfluss auf die Weltpolitik im diesem Jahr hatte. 1947 schied Byrnes als Außenminister aus und widmete sich von 1951-1955 als Governeur von South Carolina wieder den Interessen seines Heimatsstaates. James F. Byrnes starb am 9. April 1972 im Alter von 89 Jahren in Columbia/South Carolina.

 

Aus Anerkennung seines Wirkens sind heute verschiedene Einrichtungen nach ihm benannt, so z.B. die James F. Byrnes Highschool in Spartanburg und das 'Byrnes International Center' an der Universitiy of South Carolina in Columbia. Die Universität lobt Byrnes als den größten Staatsmann aus South Carolina des 20. Jahrhunderts.

Lebenslauf James F. Byrnes

 

Jana Lange


Literatur




  • Byrnes, James F.: Speaking Frankly, New York 1947.
  • Byrnes, James: All in One Lifetime, New York 1958.
  • Clements, Kendrick A.: James F. Byrnes and the origins of the Cold War, Durham/USA 1982.
  • Curtis F./Morgan, Jr./Mellen, Edwin: James F. Byrnes, Lucius Clay, and American Policy in Germany, 1945-1947. New York  2003.
  • Messer, Robert L: The End of an Alliance: James F. Byrnes, Roosevelt, Truman, and the Origins of the Cold War, Chapel Hill 1982.
  • Robertson, David: Sly and Able: A Political Biography of James F. Byrnes, New York/London 1994.
  • Landtag Baden-Württemberg (Hrsg.): Byrnes, James F.: Speech of hope, U.S. Secretary of State James F. Byrnes, 6th september 1946, Stuttgart 1999.
  • Rittmann, Albrecht: 50. Jahrestag Rede der Hoffnung: James F. Byrnes, Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, 6. September 1946, Stuttgart 1996.
  • Ward, Patricia Dawson: The Threat of Peace: James F. Byrnes and the Council of Foreign Ministers 1945-1946, Kent/Ohio 1979.


    Lebenslauf