Die 'Rede der Hoffnung' und ihre Bedeutung




Erste Konflikte mit der Sowjetunion

Um die Bedeutung der Rede von James F. Byrnes zu verstehen, ist es wichtig, die vorherige alliierte Politik zu kennen: Die Verhandlungen zwischen den Westalliierten USA, Großbritannien und Frankreich mit der Sowjetunion waren zunehmend von Schwierigkeiten geprägt. Die sowjetische Besatzungszone war schon früh von den anderen Zonen isoliert worden. Zunehmend wurde die Gefahr mehr im kommunistischen Russland als in einem möglichen wieder erstarkendem Deutschland gesehen. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman verlor langsam die Geduld gegenüber der Sowjetunion und wollte auch in der Deutschlandfrage eine klare antikommunistische Position einnehmen, während Außenminister Byrnes noch zögerte. Anfang 1946 war auch für die britischen Alliierten eine mögliche Teilung Deutschlands nicht mehr abwegig.1

 

Die Bildung einer Bizone

Die Politik der Besatzungsmächte in ihren Zonen unterschieden sich voneinander: Frankreich versuchte in seiner Zone eine Politik der vollkommenen Entmächtigung durchzuführen, damit der Nachbar Deutschland auf keinen Fall wieder erstarken konnte. Die Sowjetunion hatte dagegen, früher als die anderen Alliierten, begonnen, eine tief greifende gesellschaftspolitische Umwälzung nach den Vorstellungen ihrer eigenen Ideologie vorzunehmen. Zusätzlich führten sie eine konsequente Reparationspolitik in Form einer strengen Demontagepolitik in ihrer Besatzungszone durch. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis es, vor allem mit den britischen und amerikanischen Alliierten zum Eklat kommen würde.

 

Die Idee einer Bizone

Nachdem sich die westlichen Alliierten auf der Pariser Außenministerkonferenz im Juli 1946 mit der Sowjetunion über eine gemeinsame künftige Wirtschaftspolitik nicht einigen konnten, wurden die ersten Konsequenzen gezogen: Lucius D. Clay, Militärgouverneur in Deutschland, legte die Idee einer wirtschaftlichen Vereinigung der amerikanischen und britischen Besatzungszone zur so genannten Bizone vor. Auch Außenminister Byrnes bot am 11. Juli 1946 eine Zusammenarbeit mit anderen Besatzungszonen an, um eine wirtschaftliche Einheit zu schaffen. Das Angebot schloss die französische und sowjetische Zone mit ein.

 

Wirtschaftliche Einheit – Voraussetzung die künftige Gestaltung Deutschlands

Am 6. September 1946 kündigte James F. Byrnes in seiner Rede im Staatstheater in Stuttgart schließlich den Zusammenschluss der amerikanischen und britischen Besatzungszone zur Bizone zum 1. Januar 1947 an. Die wirtschaftliche Einheit war wichtig, um die wirtschaftliche Not in Deutschland zu lindern, doch für die Zukunft Deutschlands weitaus bedeutsamer war die Ankündigung, eine vorläufige deutsche Regierung bilden zu lassen. Dadurch konnte Deutschland darauf hoffen, eines Tages wieder in den Kreis der anderen Länder aufgenommen zu werden.

 

Überschwängliche Freude

Die Reaktionen in der amerikanischen und britischen Besatzungszone waren überschwänglich. Ehrfurchtsvoll schreibt ein Journalist der Rhein-Neckar-Zeitung am 7. September 1946:

„Die Männer dieses Volkes [die Amerikaner, Anm. d. Redaktion] bestimmen heute über unser zerbrochenes Dasein, und sie sehen in dieser Arbeit die Aufgabe, nicht nur uns, sondern der Welt zu einem Frieden zu verhelfen, der auf festerem Grund gebaut sein soll. Was die Rede im einzelnen verkündete, gibt uns – eineinhalb Jahre nach unserer beispiellosen Hitlerniederlage – allen Grund, in Ehrfurcht und Vertrauen innezuhalten. Die Rede schenkt uns Hoffnung zu neuem Leben.“2

 

Reaktionen der Weltpresse

Die Weltpresse reagiert sehr unterschiedlich auf die Rede: Während die amerikanische Presse dem Inhalt der Rede voll zustimmte, enthielten sich die russischen Zeitungen jeglichen Kommentars und sprachen nur die für Russland wichtigen territorialen Bestimmungen an. Die französische Presse übte starke Kritik. Die 'Front National' schreibt: „Byrnes Erklärung – eine Bedrohung unserer Sicherheit“ und die 'L'Humanité' zynisch: „Wenn man Byrnes hört, fragt man sich, wer den Krieg verloren hat.“3

 

Doch die französische Position sollte sich bald mäßigen und die französische Zone trat am 8. April 1949 der Bizone bei, die zur Trizone wurde. Diese beiden Modelle waren die direkten Vorläufer zur Bildung der Bundesrepublik Deutschland.

 

Jana Lange


Anmerkungen




1) Görtemaker, Manfred: Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2002, S. 28.

2) „USA für Frieden und Freiheit Deutschlands“, in: Rhein-Neckar-Zeitung, Jg.2, Nr. 91, 07.09.1946, S. 1. 

3) „Die Weltpresse zur Byrnesrede“, in: Rhein-Neckar-Zeitung, Jg. 2, Nummer 92, 10.09.1946, S. 1.