Stuttgarter Zeitung vom 11. September 1946, Titelseite




Die Stellungnahme der Parteiführer

 

Die Stuttgarter Zeitung hat die Vorsitzenden der politschen  Parteien in Württemberg-Baden aufgefordert, sich zu der Rede des amerikanischen Außenministers Byrnes zu äußern. Wir veröffentlichen nachstehend ihre Antworten.

 

Joseph Andre (CDU):

„Die Rede ist eine große Tat. Deutschland und die Welt hat jetzt die Stellungnahme Amerikas als führender Nation zur Friedensfrage kennen gelernt. Die Rede selbst ist offen, klar und wahr, sie hat überzeugend und befreiend gewirkt. Das deutsche Volk sieht wieder eine Zukunft. Der Rede kommt um deswillen hohe politische Bedeutung zu, weil sie ja nicht nur an das deutsche Volk, sondern an alle Besatzungsmächte und die ganze Welt gerichtet worden ist, indem sie den Geist aufweist, nach dem ein wirklicher Friede zu stande kommen kann und soll. [...]“

 

Fritz Ulrich (SPD):

„[...] Die Rede hat hat Klarheit gebracht nach vielen Richtungen. Die für uns wichtigeste Feststellung des Ministers ist die, daß in Potsdam getroffene Vereinbarungen, wonach im ganzen besetzten Deutschland eine ausgeglichene Wirtschaft herbeigeführt werden sollte, nicht durchgeführt worden ist. Die östliche Besatzungsmacht läßt die Bevölkerung der westlichen Zonen nicht teilnehmen an den Bodenerträgnissen der weiten Agrargebiete. Wir entnahmen der Rede weiter, daß die künftigen deutschen Grenzen noch sehr umstritten sind. Schmerzlich für uns ist die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, der Abtrennung des Saargebietes zuzustimmen. [...]“

 

Dr. Wolfgang Haußmann (DVP):

„Das bedeutsame an der Stuttgarter Rede des verantwortlichen Leiters der amerikanischen Außenpolitik ist wohl die klar ausgesprochene Erkenntnis, daß wir alle, Sieger und Besiegte, unlöslich auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind, und daß die Welt es sich einfach nicht leisten kann, Deutschland im Elend versinken zu lassen. Ein deutsches Chaos würde unweigerlich ganz Europa in seinen Strudel ziehen und die größte Gefahr für den Frieden der Welt bedeuten. [...]“

 

Albert Buchmann (KPD):

„[...] Um so wichtiger ist es einzuschätzen, wenn Außenminister Byrnes in einer Rede in Stuttgart sich mit programmatischen Erklärungen an das deutsche Volk wandte. Wenn auch in dieser Rede die Spannungen hindurchklangen, die in der Pariser Konferenz zum Ausdruck kommen, so war doch gleichzeitig ersichtlich, daß die fortschrittlich demokratischen Kräfte im Ringen gegen die rückschrittlichen Kräfte der Welt sich durchsetzen dürften – das ist entscheidend! [...]“

 

zurück